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:: Frische Werte.

FREMDE WERTE: Und Tschüß - sagt Lahde

Der kalifornische HedgeFonds-Manager Andrew Lahde erzielte 2007 mit +866% auf seinen $ 80-Millionen-Fonds ein spektakuläres Ergebnis, indem er auf den Zusammenbruch des Subprime-Marktes setzte. 2008 setzte sich dieser Erfolg fort. Am 17.10. hat er in einem spektakulären Abschiedsbrief seinen Rückzug aus dem Geschäft erklärt. Diesen will ich Ihnen nicht vorenthalten.

 

ANDREW LAHDE: EIN DURCHBLICKER HAUT AB

Heute schreibe ich nicht, um mich zu brüsten. Angesichts der schmerzhaften Verluste, die nahezu jeder erfährt, wäre das gänzlich unangemessen. Noch schreibe ich, um weitere Vor­hersagen zu machen, da die meisten meiner Prognosen vergangener Briefe eingetreten sind oder im Begriff sind, es zu tun. Vielmehr schreibe ich Ihnen, um ‚auf Wieder­sehen’ zu sagen.

Neulich wurde auf der Titelseite des Finanzteils des Wall Street Journals ein Hedgefonds-Manager, der ebenfalls sein Geschäft schloß (ein $ 300-Millionen-Fonds), mit den Worten zitiert: „Was ich über dieses Geschäft gelernt habe ist eines: ich hasse es!“ Ich kann ihm nur zustimmen. Ich war um des Geldes wegen im Geschäft. Die gebratenen Tauben, d.h. Idioten, deren Eltern ihnen teure Gymnasien, danach Yale und zum Schluß einen MBA von Harvard bezahlt hatten, mußten einfach abgefischt werden. Diese Leute waren (oft) wahrlich ihre Ausbildung nicht wert, die sie in die Chefetagen von AIG, Bear Stearns, Lehman Bros. oder hochrangige Regierungsposten führte. All’ ihre Vornehmheit machte es mir nur um so leichter, genügend Dumme zu finden, die die Gegenseite meiner Geschäfte übernahmen. Gott schütze Amerika!

Es gibt zu viele Leute, denen ich für meinen Erfolg zu danken hätte, um sie zu erwähnen. Dabei möchte ich nicht wie ein Hollywoodstar klingen, der eine Ehrung erfährt. Außerdem wissen die vielen, die Dank verdienen, wer sie sind.

Ich werde nicht länger für andere Menschen oder Institutionen Geld verdienen. Ich habe genug mit der Verwaltung meines eigenen Vermögens zu tun. Manche Leute, die meinen, eine realistische Schätzung dessen Umfangs machen zu können, werden verwundert sein, daß ich mit einer so kleinen eigenen Kriegskasse Schluß mache. Sei’s drum, mir reicht’s. Neun-, zehn- oder gar elfstellige Vermögen anzuhäufen, überlasse ich anderen. Während­dessen haben sie kein gutes Leben. Ein Termin den nächsten jagend, voll ausgebucht für die nächsten drei Monate, freuen sie sich auf ihren zweiwöchigen Jahresurlaub im Januar, in dem sie den ganzen Tag auf ihren Blackberry oder ähnliche Geräte starren werden. Wozu das? In fünfzig Jahren werden sie ohnehin vergessen sein. Steve Balmer, Steven Cohen und Larry Ellison werden dann ebenfalls vergessen sein. Sucht nicht länger, Denkmäler zu er­richten – schmeißt den Blackberry hin und genießt das Leben!

So, für mich war’s das. Mit Verlaub, ich kündige. Erwarten Sie keine Antwort auf eMails oder Nachrichten, ob während üblicher Bürozeiten oder überhaupt. Andy Springer und seine Firma werden die Auflösung des Fonds übernehmen. Auch um meine Mitarbeiter brauchen Sie sich nicht zu sorgen, sie waren Angestellte des Unternehmens von Springer und der ein­zige, der entlassen wurde, tut dies mit einer fürstlichen Abfindung.

Ich habe kein Interesse an irgendwelchen Deals, an der irgendwer von Ihnen mich beteiligen will. Zu den Märkten habe ich wirklich derzeit keine Meinung, außer das es noch schlimmer kommen wird – vielleicht über Jahre. Ich bin es zufrieden, an der Seitenlinie zu stehen und abzuwarten. Schließlich haben wir mit Sitzen und Abwarten das große Geld beim  Subprime-Debakel gemacht. Nun habe ich die Gelegenheit, meine Gesundheit wiederaufzubauen, die durch den selbstauferlegten Streß der vergangenen zwei Jahre arg gelitten hat, wie schon zuvor durch den ewigen Wettkampf um Stipendien und Jobs und Anlagesummen, vor allem mit denen, die Startvorteile (reiche Eltern) hatten, die ich nicht besaß. Eine neue Regierung sollte meritokratisch organisiert werden.

 

Bezüglich der US-Regierung würde ich gern einen bescheidenen Vorschlag machen. Als erstes nenne ich die offensichtlichen Fehler, nämlich die Gesetze, die in den letzten acht Jahren zu den vernichtenden Kreditvergabepraktiken der nun überwiegend insolventen In­stitute geführt haben. Diese haben regelmäßig die Taschen beider Parteien vollgestopft, um gegen alle Gesetze, die den Normalbürger schützen könnten, zu stimmen. Das ist un­möglich, dennoch scheint sich niemand darum zu scheren. Seit den Zeiten Thomas Jeffer­sons und Adam Smiths scheint es keine echten Philosophen mehr in diesem Land zu geben – zumindest keine, die sich um die Verbesserung der Regierung kümmern. Der Kapitalismus hat in unserem Land 200 Jahre lang funktioniert, doch die Zeiten ändern sich und Systeme werden korrupt. George Soros, ein Mann atemberaubenden Reichtums, postulierte, daß er als Philosoph in Erinnerung bleiben möchte, Mein Vorschlag ist, daß dieser große Mann damit anfangen sollte, ein Forum für echte Genies zu finanzieren, die ein neues Regierungs­system im Sinne des Normalbürgers zu schaffen, das zugleich genügend Anreize läßt, daß die besten und klügsten Gehirne für den Staat tätig werden, ohne sich für einen angemes­senen Lebensstandard korrumpieren lassen zu müssen. Dieses Forum könnte nach dem Prinzip des freien Betriebssystems Linux organisiert werden, daß das Fast-Monopol von Microsoft infragestellt. Das wäre nach meinem Dafürhalten eine Lösung – das bisherige System ist zweifelsohne am Ende.

Schlußendlich möchte ich – solange man mir noch zuhört – auf alternative Nahrungs- und Energiequellen aufmerksam machen. Das wird man nicht in den Werbespots von Ölgesell­schaften wie BP nach dem Motto: „Lehnen Sie sich zurück. Wir arbeiten an nachhaltigen Lösungen.“ finden. Doch hat man seit 5'000 Jahren auf Hanf für Nahrung und Kleidung vertraut, wie auch als Grundlage für nahezu alles, was heute auf Ölbasis hergestellt wird. Hanf ist kein Marihuana und vice versa. Hanf ist die männliche Pflanze und wächst wie Un­kraut, daher auch der Slang-Ausdruck dafür. Die ursprüngliche US-Flagge wurde aus Hanf­fasern hergestellt, die Verfassung auf Hanfpapier niedergeschrieben. Bis zum II. Weltkrieg wurde Hanf verwendet, um nach dessen Ende prompt verboten zu werden. Wo es heutzutage doch so „in“ ist, energetisch unabhängiger zu werden, warum darf diese Pflanze hierzulande nicht angebaut werden? Ach ja, die weibliche Pflanze. Die böse weibliche Pflanze – Mari­huana. Sie macht dich high, sie macht dich lachen, sie hinerläßt keinen Kater. Anders als Alkohol führt sie nicht zu Schlägereien oder häuslicher Gewalt. Warum ist diese unschuldige Pflanze dann illegal? Ist es eine Einstiegsdroge? Nein, das trifft viel mehr auf Alkohol zu, für den so heftig geworben werden darf. Meine eigene Einschätzung, warum es verboten ist, lautet, daß Corporate America, dem der Kongreß gehört, Ihnen lieber Paxil, Zoloft, Xanax und andere süchtigmachende Drogen verkauft, als daß sie etwas zuhause selbst anpflanzen dürfen, ohne daß daran Profit in ihre Taschen fließt. Diese Politik ist lächerlich.  Sie hat sicher zu unserer Abhängigkeit von ausländischen Energiequellen beigetragen. Unsere Poli­tik läßt das Ausland wahrhaftig über unsere Dummheit lachen, am deutlichsten Kanada, wie auch mehrere europäische Staaten (West- wie Osteuropas). Das werden sie aus US-Medien nicht erfahren, da sie nicht zu berichten pflegen, wer gerade über uns lacht. Liebe Leute, laßt uns mit dem Gelaber aufhören und anfangen, darüber nachzudenken, wie wir wirklich selbst-versorgend werden können.

 

Damit sage ich Auf Wiedersehen und Alles Gute

 

Herzlichst       Andrew Lahde

 

 

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>> ÜBERSETZUNG LAHDES ABSCHIED [75   kB]